Freitag, 29 August 2014 07:27

Der Spätsommer beginnt mit pilzigen Raritäten!

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Natürlich hatte ich bei den Ferien-Radtouren für Jugendliche, die ich über unsere Rehnaer Kirchgemeinde angeboten hatte, immer zumindest ein Messer und einen Kompass mit dabei. Denn auf den schönen mecklenburger Landwegen hat man genug Zeit, fleißig links und rechts den Wegesrand mit den Augen abzugrasen. So testeten wir auch einen Feldweg bei Testorf. Plötzlich - wir waren schon ganz abgeradelt - standen da zwei faule Röhrlinge am Wegesrand: „Faule Röhrlinge" dachte ich sofort. Und siehe da, nach erster gründlicher Betrachtung und Nachschauen im Pilzbuch stellte sich heraus, ich hatte mich nur um einen Buchstaben geirrt. Was ich gefunden hatte, war der seltene FAHLE RÖHRLING (Boletus impolitus).

 

 

Als kirchlicher Mitarbeiter muss ich in der Öffentlichkeit ein gutes Bild abgeben. Einfach mal so am Straßenrand pullern oder so - das geht gar nicht. Dies aber werden die vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer gedacht haben, als sie mich in Hof Nesow am Straßenrand halb gebeugt stehen sahen. Dabei habe ich doch nur die eigenartigen Pilze fotografiert, die dort im Straßengraben und unter Fichten standen. Pilze, die direkt an einer vielbefahrenen Straße stehen, esse ich eigentlich wegen der Schadstoffbelastung nicht. Aber es schienen eindeutig große Champignons zu sein, welche genaue Art auch immer. Da könnte man doch mal wenigstens einen kosten. Oder die kommen in den Schaukasten unseres Pilzvereins ... Der Denkprozess dauerte dann fast 48 Stunden. Schließlich zeigte ich die gut erhaltenen Exemplare unserem Vereinschef mit der Vermutung, dass es sich um die seltenen Salzwiesenchampignons handelt.
Nach kurzer Pilzuntersuchung und Blick in Spezialbücher war klar, dass da in Nesow in den Straßengraben immer heftig reinuriniert wird, denn es handelt sich tatsächlich um den Agaricus bernadii.
Aber ich mach so etwas nicht. Den Nesowern will ich es auch nicht unterstellen. Vielleicht liegt es auch daran, dass im Winter immer auf der Bundesstraße, die da durch das Dorf führt, kräftig gesalzt wird? Nich schön für die Natur - aber es gab einen seltenen Pilzfund!

„Täusch ich mich?" fragte die Frau unseres Pastors mich vorgestern, Ende August haben wir inzwischen. „Das sind doch wohl die Kultur-
Champignons, die du mir schon letztes Jahr in meinem Garten bestimmt hast?" Zunächst sah ich nur die Hüte der Pilze und mir war klar, dass ich erstens noch nie Kulturchampignons außerhalb Supermärkten bestimmt hatte, und zweitens sahen diese braunen Pilze sowieso nicht nach Egerlingen aus, eher nach Träuschlingen oder Ritterlingen. Der Blick auf die Lamellen irritierte noch mehr - rein weiß? Also erst einmal nicht für die Bratpfanne freigeben, da drum ging es ja zunächst.
Ab zu Torsten. Auch er hatte so etwas noch nie gesehen, vermutete aber, dass es sich um den Kulturträuschling handelt (auch Rotbrauner oder Riesenträuschling genannt, Stropharia rugosoannulata), allerdings steril, das heißt ohne oder mit nur ganz wenigen Sporen. Eine Täuschung also oder täuschten wir uns beim Träuschling? So ein Pilz hat schließlich dunkelbraun-violette Lamellen!

Das Wort „Kultur-„ welches Anke Ortlieb, die Finderin, noch im Hinterkopf hatte, war dann doch schon die halbe Wahrheit - und der Rest stimmte auch. Torsten hatte viel zu tun und so sollte ich mit dem Mikroskop letzte Klarheit schaffen. Aber schon der Sporenabdruck am nächsten Morgen ließ Klarheit aufkommen und am übernächsten Morgen war alles klar: dunkelbraun-violette Sporen und Lamellen:
sterile Riesenträuschlinge, die es sich hinsichtlich der Fruchtbarkeit noch mal anders überlegt haben, Spätzünder eben.

 

Gelesen 2303 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 25 September 2014 07:05

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