Sonntag, 08 Januar 2012 20:32

Pilzrückschau 2011

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Dankbare Pilzrückschau 2011

von "Pilz-Diakon" Matthias Krause

 

„Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weise geordnet

und die Erde ist voll deiner Güter.“

 

Psalm 104, Vers 24


Coprinus laanii

Foto: Torsten Richter

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Foto: Matthias Krause     

Hinweis:  alle weiteren Fotos, wenn nicht anders angegeben, sind ebenfalls von M. Krause

Endlich Weihnachten für mich, denn heute ist der 27. Dezember. Mein erster freier Tag nach dem ganzen Weihnachtstrubel. Das Weihnachtskonzert ist erfolgreiche Geschichte, das Krippenspiel ebenso. Es gab viel beruflichen Stress, noch nicht einmal die Dezemberausgabe des Tintlings konnte ich lesen, dabei hatte ich sie immer in meiner Notentasche mit dabei, damit ich die Heilig-Abend-Predigt nicht vier mal hören musste (so gut sie auch war).Unser Besuch hat sich für ein Weilchen aus dem Staube gemacht. Meine schönsten Weihnachtsgeschenke liegen unter dem Christbaum: handbemalte Pilzstrümpfe, ein T-Shirt mit Pilzmotiven und ein schönes neues Pilzbuch. Beim heutigen Nachmittagsspaziergang entdeckten wir im Zentrum Rehnas tatsächlich hunderte Speisepilze. Welche? Auflösung am Ende des Berichtes. Wer jetzt schon nachschaut, wird 2012 kaum Pilze finden !!!

Es wird Zeit für das erste Foto.

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Nun der Versuch, mich anhand kurzer Notizen und vieler Fotos an das Pilzjahr 2011 zu erinnern. Los geht’s:                                                                                                                                                                                                                                                                          Am 19. Januar, einen Tag vor dem Geburtstag meiner Mutter, fiel mir ein, dass ich noch gar kein Geschenkt für sie habe. Also ab ins Roggendorfer Moor! So beginnt dieser Jahresrückblick mit einem fast typischen Foto: Samtfußrüblinge (Winterpilze) und Judasohren. Zwei Auffälligkeiten sehe ich in Nachhinein - es fehlen Austernseitlinge und im Zentrum des Fotos befindet sich ein golgelbe Zitterling. Genau kann ich mich an den Zeitpunkt nicht mehr erinnern, als ich beschloss, keine Austernseitlinge mehr zu ernten, da sie eigentlich nach nichts schmecken. Wahrscheinlich war es nach einem Austerngulasch im Spätherbst 2010. Seither genieße ich diese Pilze lieber visuell als winterliche Zierde der Natur. Gernauso wie den Goldgelben Zitterling, den ich außer dem samtigen Geburtstagsgeschenk für meine Mutter im Januar reichlich fand. Hier ein paar Fotos von den ersten Pilzfreuden 2011.

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Der goldgelbe Zitterling - essbar, wenngleich geschmacklos - ist wirklich eine Zierde des Waldes, zumal im Winter, wenn nicht einmal Schnee die Landschaft verzaubert und kaum Farben die Natur verschönen. Das habe ich auch auf der Homepage unseres Pilzvereines deutlich gemacht.

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Dann kam erstmal der Winter und somit eine längere Pilzpause.

Jedoch die Ruhe währte nicht lange. In der Pilzzeitschrift „Der Tintling“, Ausgabe 1/2011 las ich folgendes Inserat: „Verkaufe vollständige Tintling-Sammlung in … neuwertigem Zustand. Preis VB…“. Diesen Traum vom Besitz einer vollständigen Sammlung dieser supertollen Zeitschrift hatte ich bis dahin noch nicht einmal zu träumen gewagt. Seit zwei Jahren bezog ich dieses höchst kulturvolle und lehrreiche Pilzmagazin. Dass sich nun jemand von diesem quasi wachsendem Lexikon trennen konnte, welches die gesamte kulturelle, kulinarische und wissenschaftliche Bandbreite der Mykologie widerspiegelt, mit welchem vom Inhalt her es kein Pilzbuch der Welt aufnehmen könnte, erschien mir völlig unglaublich.                   Selbst Vereinschef Torsten, welcher diese Sammlung bereits besitzt, spielte mit dem Gedanken, hier mitzubieten.

Auf meine interessierte Anfrage hin teilte mir der potentielle Verkäufer lediglich einen Termin mit, an welchem die positive Verkaufsentscheidung an den Meistbietenden getroffen werde. Ich bot. Eine Nacht vor Terminablauf sprang ich aus dem Bett und erhöhte noch einmal um einhundert Euro. Das war gut. Nach zwei Tagen bekam ich einen Anruf von ihm, dass ich der Meistbietende war.

     Dann habe ich meine Frau betrogen, das erste Mal. Ich habe es einfach getan.                                                                                                                             Ich habe einen dreistelligen Betrag von unserem gemeinsamen Konto nach Mitteldeutschland überwiesen, ohne dies vorher mit meiner Liebsten abzusprechen, und ohne Erfolgsgarantie. Der gute (?) Mann konnte ebenso gut ein Betrüger sein, und ich würde auf ein Paket von ihm umsonst warten.

Er hatte nämlich nach letztlich gescheiterten Transaktionsvorschlägen darauf bestanden, dass ich erst zahlen müsste, bevor er die Hefte abschickt. Ich hatte schon Kontakt zu seiner Heimatkirchgemeinde, ich hatte Recherchen über ihn per Internet getätigt … das Risiko blieb.

Kleine Sünden, so sagt man, bestraft der liebe Gott gleich. Kleine gute Taten aber wohl auch: Als ich am 2. April - dem Rehnaer Umwelttag - mit einem Handwagen voller aufgesammelten Mülles zur Mittagszeit nach Hause kam, übergab mir der Postbote ein Paket wertvollen Inhalts: „Der Tintling“, Ausgabe 1 (1996) bis 69, dazu Pilzpostkarten, Briefe von Karin Montag, Werbung aus den einzelnen Heften … alles neuwertig. Dazu ein netter Brief: „Lieber Herr Krause, anbei meine lieben „Tintlinge“. … Das Geld ist nett - und dennoch habe ich zwischenzeitlich heimlich gehofft, Sie würden wieder abspringen. Diese Sammlung würden Sie für Geld nicht so schnell wieder finden.“

Es war doch ein guter ! Mann, ein Kinderarzt, der einfach keine Zeit mehr für seine Tintlinge hatte und sie in gute Hände geben wollte; das Geld war dabei sekundär, denke ich, nur ein Zeichen für echte Pilzliebe. Das hat dann ja geklappt.

 

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Nächster Absatz; auch ein schönes Kapitel unsers Pilzvereins:  Die jährliche Pilzvereins-Versammlung fand erstmals im renovierten Pfarrhaus statt. Das wird den Schöpfer der Pilze am 25. März sicherlich sehr gefreut haben. Viellei wurde ja an diesem Tag irgendwie wieder Geschichte geschrieben ....???

Frischpilze gab es dann kurz nach Ostern am 26. April zum 26. Hochzeitstag. Gemeinsam mit Michael, dem Freund unserer jüngsten Tochter, stellte ich jede Menge wunderbarer Pilzklopse aus dem Schuppigen Porling her. Es war für ihn, denke ich, der Erstzugang zur Mykophilie, somit ein bedeutsamer Tag.

 

 

 

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Einen Tag später wurde der Kirchenchor mit Porlingsklopsen gefüttert.

Ein paar Tage später ließen wir uns dann die Steaks vom Schwefelporling munden. Die Ernte war recht bescheiden in diesem Jahr. Im Sommer fand ich noch eine Portion mit und für Joseph Elmer, welcher sie seither kennt und schätzt und schon selbst im eigenen Garten an Kirsche gefunden hat.

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Hier die beiden größten Exemplare des Jahres, an Stieleiche auf dem Rehnaer Friedhof.

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Ist doch Stieleiche, oder?           Immer wieder rannte ich zum Friedhof und sah nach den durch die Rinde brechenden Fruchtkörpern des „Hühnchenpilzes“, wie dieser schmackhafte Pilz im Englischen wegen seiner Vergleichbarkeit mit Geflügelfleisch genannt wird.

Bislang wusste ich nicht, wie man Frischpilze als Ganze Pilze im Originalzustand unsterblich machen kann. Ich weiß es immer noch nicht. Aber seit dem 1. Mai habe ich nun eine Mumie im Keller, eine dicke und große und unverwesliche Spitzmorchel. Spitze! Die schenkte mir der Herrgott als Trostpreis dafür, dass ich aus zeitlichen Gründen in diesem Jahr nicht mitfahren konnte zur alljährlichen Morcheltour des Pilzvereines an den Schweriner See. Die Pilzfunde dort waren recht bescheiden. Mein Fund im Mulch an der Raiffeisenbank: eine sehr unbescheidene Mega-Spitzmorchel, aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit bereits steif und fest wie Leder, mumifiziert.

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Höhe: 19 cm   (das sind 190.000µm - also mit dem Mikroskop gar nicht fassbar!!!)

max. Stiel-Durchmesser: 5 cm

Hut-Durchmesser: 9 cm (gerundet fast 10% von einem Meter, unfassbar !!!)

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Kein Wunder, dass dieser Fund den ehrlichen Finder zu stolzen Fotos zwang.

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       Foto: 30.12.2011

Vom 1. Mai (dies war der erste Pilz 2011 in unserem Schaukasten) bis Mitte Juli zierte diese Mumie unseren Schaukasten. Wie gesagt, sie steht zur Zeit unversehrt in meinem Keller und wartet darauf, bei eventueller Frühlings-Pilzknappheit wieder öffentlich angestarrt zu werden.

Nächstes Kapitel. Als Mitglied der Stadtvertretung und des Umweltausschusses unserer Stadt hatte ich mit zu entscheiden über ein neu anzulegendes Großbeet an der alten Sparkasse. Ich stimmte dafür. Was war neben dem wirklich schön angelegten Areal der Lohn? Jede Menge Rotbraune Träuschlinge, von Anfang Mai (von den ersten erzählte mir meine liebe Frau Angelika) bis Ende September. Sie wurden sicherlich, da im Zentrum des Städtchens exponiert stehend, von vielen Menschen gesehen und geerntet, hoffentlich nicht von zu vielen Hunden angepinkelt, und auch von mir in den Schaukasten gestellt, gegessen und fotografiert.

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Rotbrauner Träuschling

Dieses Bild zeigt die schöne rotbraune Färbung des Hutes, wenn der Pilz noch jung und fisch ist. Sie gab ihm einen seiner Namen. Die anderen deutschen Namen sind allesamt irreführend. „Braunkappe“ könnten viele Pilze mit braunem Hut heißen (tatsächlich nennt man auch ganz unterschiedliche Pilze in Deutschland so). „Kulturträuschlinge“ heißen sie auch, weil sie auch kultiviert = angebaut werden können. „Riesenträuschlinge“ heißen sie auch, obwohl sie bei ungünstigerer Witterung durchaus zwergenhaft sein können. Mein wichtigstes Kennzeichen: ziemlich deutlich violette Lamellen. Die sieht man allerdings nur von unten. Von oben betrachtet gestaltet sich die Bestimmung schwieriger:

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Er wird heller -                                                          fleckig,

die Huthaut reißt feldrig auf -                                                   immer doller (wie bei den Rotfüßchen) …

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Hier noch einmal zur Erinnerung der Idealzustand. So schmeckt er auch am besten und ist dem Steinpilz ebenbürtig!

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Diese Pilze waren tatsächlich volle fünf Monate mitten in Rehna in allen Wachstumsstadien zu bewundern. Eigenartig, dass sie sich gerade zu den „Tagen der Pilze“ aus dem Staube oder zu Staube gemacht hatten. Im Rahmen dieser tollen Pilzausstellung konnte unser Verein über 350 Großpilzarten präsentieren, diese schönen Träuschlinge waren nicht darunter.

Auch dieses Träuschlings-Kapitel habe ich im Mai auf die Homepage unseres Pilzvereins gestellt. Weil sich dort auch weiterhin nichts tat - die Pilzsaison hatte einfach noch nicht begonnen - folgte bald ein nächster Beitrag. Knochentrocken war der Mai. Aber rings um das Pildziakon-Krause-Haus war es trotzdem feucht. Weder Zeit noch Mühe, weder Geld noch Wasser wurde gespart, um den Angelika-Garten in Gang zu bringen. Da freuten sich auch ein paar Sporen des Ansehnlichen Scheidlings und bauten einen schönen Fruchtkörper auf.

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Diese impressionistische Erscheinung sollte aber erst der Vorgeschmack sein für eine Scheidlingsschwemme im September!

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Als der Pilz noch klein war, stieg von Tag zu Tag die Spannung: was ist das nun für einer? Der Ansehnliche Scheidling war es.

Dann kam der Juni. Und es wurde endlich feucht. Nass sogar. Irgendwie sogar zu nass!

Am 8. Juni stand unser Keller einen halben Meter unter Wasser! Die blaue Tonne und die Schuhe und Stiefel schwammen um mich herum, als ich mich halb nackt um das Wegpumpen der braunen Brühe mühte. Das Akkordeon konnte ich danach wegwerfen. Den neuen Laminat-Fußboden im Gästezimmer warf ich aus dem Fenster. Die Versicherung zahlte nicht. Es gab allerhand Ärgernisse. Mykologisch allerdings war dieses Event eine tolle Sache. Ich kam zwar nicht zum Mikroskopieren, aber aufgrund des Substrates von lediglich Kalk und Beton konnte ich dann Ende des Monats den Wachsbecherling - Pezia cerea - im Keller willkommen heißen; das gleiche freudige Ereignis gab es noch einmal am 1. August im ebenfalls überschwemmt gewesenen Nachbarhaus. Selten hat es so geregnet hier: 65 Liter Regen / qm in nur einer Stunde; selten aber auch Peziza cerea, der bescheidenste Becherling, den ich kenne (und ich bin gelernter Betonbauer!).

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3 cm Durchmesser im Keller Krause Junior, 10 cm im Keller Krause Senior (Foto)

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… und ist doch rund und schön!                                        … und bietet gleich Nahrung für weitere Pilzchen.

                                                                                              

Dann kam endlich der Urlaub. Wir hatten uns vom 10. - 17. Juli eine Ferienwohnung auf dem Darß gebucht. Wir hatten zwar keine Badehosen mit, weil das auf dem Darß auch sehr gut ohne Badebekleidung geht - wie ich schon von geschätzten 30 Zelturlaubswochen aus meiner Kindheit wusste (Lepista nuda ist sogar immer nackt unterwegs), dafür hatten wir unsere Fahrräder huckepack mit. So konnten wir bei dem sehr durchwachsenen Sommerwetter 2011 immer gut auswählen zwischen Baden, Radeln, Pilze-Sammeln oder Pilze-Zubereiten/Essen.

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Wir sammelten im Naturschutzgebiet des Darßes eine schöne bunte Pilzmischung ein. Kulinarisch am wertvollsten waren die Paukenschlägel = junge Riesenschirmpilze, bei welchen auch noch die Stiele weich und knackig und essbar waren. Kulinarisch am interessantesten fand ich die jungen Samtfußkremplinge (rechts unten); die hatte ich noch nie in der Pfanne; jung und knackig durchaus wertvolle Genusspilze!

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Reife, große Hasenboviste sieht man ganz selten oder nie. Ich sprach mit Hobby-Mykologen, die tatsächlich meinten, diese Art gibt es nur in brauner und ungenießbarer Variante.

Das sieht dann bestenfalls so aus.

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Dann fand ich noch ein paar Stachlinge, Ohrlöffel-Stachlinge, der dunklen Farbe nach zu urteilen Exemplare des Vorjahres. Egal! Meine ersten Stachlinge (außer Semmelstoppelpilzen).

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Am nächsten Wochenende - wir waren wieder zu Hause - besuchten uns die Cousin-Verwandten Birgit und Ralf. In jahrelanger mühevoller Psychoarbeit habe ich diese Großstädter aus Rostock zu mykophilen Menschen gemacht. Rostocker-farbige Pilze sind für die beiden kein Fremdwort mehr. Den wenigsten Pilzkundlern ist dies ein Begriff. Schließlich gibt es auch keine Schwerin-farbige Pilze oder so. Aber rostig - ocker … das ist doch denkbar.

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Direkt vor diesem netten Besuch schenkte mir der Herrgott in Grevesmühlen ein paar Pfund dieser herrlich junge Riesenporlinge, die ich in diesem frischem Zustand nur vom Hörensagen kannte - und die dann wirklich eine wahre Delikatesse waren -

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wie auch ein paar Röhrlinge, die es gar nicht so reichlich gab in diesem Jahr.

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Umso glücklicher der Blick nach dem Steinpilzfund.

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Wenn man sich gut versteht, dann gibt es auch immer etwas zum Kuscheln!

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Muss auch gar nicht essbar sein (Wolliger Scheidling) .

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Ist aber auch schön, wenn Leckeres gefunden wird. Diese Bilder / Funde stammen alle von einer Tour rund um den Garrensee bei Ratzeburg. Dazu ein kleiner Exkurs:

Im Juni nahm ich teil am GEO-Tag der Artenvielfalt in just dieser Region. Ich fand zwar keine nennenswerten Pilze, war aber aus meiner Sicht der wichtigste Teilnehmer, da ich Mückenspray mithatte und somit etliche Teilnehmer vor vorzeitiger Exkursions-Niederhinschmetterung oder möglicher Weise gar vor Stechphobie-Suizid bewahrte.

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Zurück zur Exkursion mit Ralf und Birgit und Angelika und mir.

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Wir fanden dann auch noch ganz bittere Pilze (Gallenröhrlinge) und einen ganz giftigen.

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Ich habe keine Beweise dafür, aber ich denke, es ist ein grüner Knolli (Var. Albino) gewesen.

Außerdem sammelten wir schöne, kräftige Pfifferlinge ein und insgesamt sechs Röhrlingsarten (Rotfuß, Brauner Filzröhrling, Echter Steinpilz, Netzstieliger Hexenröhrling, Gallenröhrlingund Wurzelnden Bitterröhrling).

CIMG1673                                                     DSCF9361                                                                                                                                                                                                          Pellkartoffeln mit Riesenporling. Dann gab es noch ganz normale Waldpilzpfanne sowie gekochte Täublinge. Immerhin drei Gerichte!

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Erlenkremplinge (Erstfund für mich), Samtfußkremplingen und andere interessante Arten konnte ich dann in unseren Rehnaer Schaukasten stellen; zwei Wochen Urlaubsvertretung für den Torstigen Richterling und den Kleinen Schopf-Richterling.

Ende Juli a

Gelegentliche Erkundungstouren im Sommer zeigten keine netten Ergebnisse. Als Heidi und Jens mich mit Tränen in den Augen baten, mit ihnen „in die Pilze“ zu gehen, da wurde ich noch einmal weich und führte die beiden in den „Dohlen“ hinter Kneese. Das ist schon so ein bisschen wie Hänsel und Gretel und ich als Hexe und so und keine Speisepilze und dann …

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wurde es erst einmal glitschig eklig und pervers: ein Schnecken-Nest, möglicher Weise bisexuell oder so! Jedenfalls schleimig. Und ganz viele solche Nester waren da!Doch das war noch gar nichts im Vergleich zu dem, was dann noch kommen sollte!

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Der Geruch von Hundekacke ist schon schlimm… Nun gut, ich will nicht übertreiben. Heidi hat sich nicht übergeben, als sie die Hundsruten entdeckte. Für mich war dieser Fund ein tolles Ereignis; noch nie habe ich die Dinger in freier Natur gesehen. Gestanklich kommt es dann im Oktober noch wesentlich schlimmer.

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Solche Pilze sind irgendwie frivol. Außerdem haben sie auch Eier. Hier ist - Gott sei Dank - nur eins zu sehen. Aber es ist ein echtes Hundsruten-Ei. (Erstfoto Krause 2011, freigegeben ab Altersstufe 12)

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Dem Mistkäfer gefällt der Geruch. Aus Dankbarkeit wird er den Schleim und damit die Sporen schön im Wald verteilen.

Dann hatte ich endlich mal Gelegenheit, die feinwarzigen Sporen des Gifthäublings zu mikroskopieren. Schließlich war dies mal der Anlass zum Erwerb meines Mikroskops, damit ich diese Pilzchen als giftige Verwechslungsart des Stockschwämmchens sicher unterscheiden kann.

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Hier ist makroskopisch noch gut zu erkennen, dass der Stiel oberhalb des Ringes nicht beschuppt ist - wie beim Stockschwämmchen, sondern weißlich gefasert. Sind die Pilze allerdings dreimal nass geregnet, kann man sie mit bloßem Auge kaum noch unterscheiden.

Ich koste sie dann auch: Stockschwämmchen schmecken angenehm pilzig-nussig, Gifthäublinge eher wie die Kruste zwischen Haselnüssen und deren Schale.

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Also - Mikroskop rausgeholt -                                                                                                       und da sind sie, die feinwarzigen Sporen.

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                                                                                                                                  Da haben sie nicht schlecht gestaunt, die Jungs!

Im August bekam ich Appetit auf frische Riesenboviste. Zu diesem Zweck mietete ich einen Heißluftballon und bat ihn, nicht höher als 20 m zu fliegen. Aber er hatte wohl was mit den Ohren. Wenn ich meinen Langermania mini-gigantea auch erst einen Monat später fand, so war es dann doch eine tolle Ballonfahrt!

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Das war lecker! Und gar nicht teuer. Apropos teuer:

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Üppig gefüllt waren die Teuerlinge in diesem Jahr. Früher nahm man an, dass dann im kommenden Jahr eine größere Verteuerung kommt. Ihm nahm es als gutes Omen.

Am 11. September traf ich endlich mal wieder einen essbaren Massenpilz, den Ansehnlichen Scheidling. Er wuchs auf Stoppelacker und auf frisch angelegtem Rapsfeld bei Nesow.

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Ein ergiebiger Pilz, wenn man ihn sauber ernten kann. Und er schenkte mir nach dem verregneten Sommer ein sonniges Gemüt. Noch nie hatte ich ihn im Reingericht probiert.

Durch die braun werdenden Lamellen kann man ihn sicher von den tödlich giftigen weißen Knollis unterscheiden. Kulinarisches Ergebnis nach den Fotos.

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Schon von der Bundesstraße aus konnte man die vielen weißen Tupfer sehen.

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Dass die Pilze sehr vergänglich sind, merkt man spätestens beim Waschen. Zunächst wollte ich die Stiele separat probieren, gekocht, ähnlich wie Schopftintlinge, quasi als Spargelersatz.

Der Geschmack überzeugte zwar nicht, dafür waren sie aber so zäh, dass sie promt im Ausguss landeten.

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Zweites Experiment: Hüte braten. Hat zwar ewig gedauert, bis aus dem Matsch etwas halbwegs für das Auge Appetitliches wurde. Dafür hat es aber halbwegs gut gemundet. Allerdings muss man schon echter Rettich-Fan sein. Fazit: für Kriegs- und sonstige Notzeiten vormerken. Und vorher den Landwirt fragen, ob er nicht gerade Gift gespritzt hat. Meine Fundstelle wurde erst einen Tag nach der Ernte begiftet.

Am 18. September präsentierte Pastor Ortlieb mir Kreuzungen von Bucheckern und Baby-Igeln. In mir kam dann doch bald der Verdacht auf, dass es sich um irgendwelche Pilze handeln könnte, vielleicht um Igel-Erlen-Schüppchen-Schnitzlinge oder so etwas.

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Als ich dann selbst die Stelle untersuchte und unter dichtem Gras größere Exemplare entdeckte, war die Sache klar:

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Sparrige Schüpplinge - nichts Besonderes eigentlich, aber die einzigen Vertreter ihrer Art bei den Tagen der Pilze vom 1. - 3. Oktober.

Im Vorfeld dieses Ereignisses war ich wieder an zwei Vormittagen mit Schülern im Wald unterwegs. Das Schönste, was ich dann außer den Schüpplingen mit zur Ausstellung beisteuern konnte, waren Mennigrote Saftlinge, für mich Erstfund der Gattung Saftlinge.

Teamlehrer Torsten Richter und ein Teil seiner Klasse 8a auf Pilzpirsch im Lankower Wald.                Hygrocybe miniata leg.M.Krause det. T.Richter

 diese vier Fotos:  Torsten Richter

Saftling         Biokurs

Was ich außer Goldfellschüpplingen, Kuhmäulern einem schönen Anhängselröhrling noch alles fand, kann ich nicht mehr sagen. Diese Daten gehen immer wegen des zeitgleich stattfindenden Erntedankfestes verloren. Macht nix. Ist eben so bei Doppelpartys. Andere haben gar keine Party.

Im Wald bei Vietlübbe war ich insgesamt vier Mal. Am letzten August-Tag holte ich eine Hand voll Safran-Riesenschirmpilze aus dem Dickicht. Drei Wochen später vergaß ich den Korb nicht und erntete in 25 Minuten stolze 69 Exemplare. Das anschließende Verteilen der Beute dauerte erheblich länger.

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Ein bescheidener Rest für den Eigenbedarf bleib dann aber doch noch im Körbchen.

Während des zweiten Pilz-Wochenendes mit Ralf und Birgit ließen wir uns dann am 22. Oktober im selbigen Wäldchen mit Rauchgrauen Schwefelköpfen beschenken.

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Die vierte Exkursion schließlich in den Fichtenwald bei Vietlübbe war ein offizieller Vereinsausflug, davon etwas später, ebenso vom Ralf-und Birgit-Wochenende.

Kaum waren die Tage der Pilze mit stolzen 358 ausgestellten Arten vorbei, zog es mich ins Roggendorfer Moor. Birkenpilze fand ich nur wenige, dafür aber drei verschiedene Arten.

3. Oktober

                               Vielverfärbender Birkenpilz,            Moorbirkenpilz,               Birkenpilz

Ich schaute mir im Nachhinein mal genauer die dort immer anzutreffenden „Ockertäublinge“ an und durfte sie umtaufen in „Graustielige Moortäublinge“. Als Pilz-Diakon taufe ich natürlich sehr gerne. Die Belohnungsmahlzeit bestand dann zum großen Teil aus Hallimasch.

Am 10. Oktober fuhr ich mit Erziehern, Eltern und Kindern des evang. Kindergartens in den Woitendorfer Wald. Während die anderen Erwachsenen sich mehr um ihre Kinder kümmern mussten, widmeten Tochter Judith und ich uns ganz den Pilzen und entdeckten u.a. Semmelstoppelpilze, einen schönen großen Steinpilz und „Flockis“.

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Da gab es viel zu sehen und zu beschnuppern (z.B. Marzipanfälblinge). Zu Hause futterten wir die Pilzpfanne dann mit Pilzreis, den Judith mir zu meinem Geburtstag mitgebracht hatte.

Besonders neugierig war ich bezüglich eines sehr hübschen Milchlings. Sollte es der im Flachland äußerst seltene Mohrenkopf sein? Torsten tippte aber auf den Schwarzbraunen Milchling. Den fand ich jedoch nur als Zeichnung in Parays Pilzbuch - und nun also im Woitendorfer Wald.

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Diese Fotos im großen Kosmos-Naturführer zeigen den Mohrenkopf. „Mein Pilz“ jedoch war der Schwarzbraune Milchling.

In den Herbstferien besuchten wir Angelikas Schwester Hannelore + Freund Ralf in Oschersleben. Gemeinsam besuchten wir dann unsere Freunde, die Pilze.

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Interessantester Fund - für mich Erstfund - waren ein paar Tintenfischpilze, die entweder zu alt oder zu jung waren, die aber im Optimalstadium stanken. Wenn ich ein Brummer gewesen wäre …     Zu essen gab es in Oschersleben hauptsächlich Hallimäsche.

Ein Wochenende später dann die Waldbesuche mit Ralf und Birgit: 22.10. im Rauchgrauen Wald bei Vietlübbe - es gab Schwefel und Köpfe. Meiner raucht schon bei all den Erinnerungen.

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Quizfrage: nur zwei dieser Pilze sind rauchblättrig, die anderen sind grünblättrig, welche sind welche?

Am 23.10. dann der Besuch des Dohlens bei Kneese.

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„Riecht schlecht                                                                                             -       sprach der Specht.“

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Da haben wir ja schon eine Mahlzeit für zwei Personen!  

Und noch einmal in diesem Jahr Mennigrote Saftlinge (+ schaulustige Schnecke).

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                                                                 Aber was war das für ein schleimiger Pilz mit langem Stiel?

Genau solche Dinger hatten wir auch schon bei Oschersleben gesehen.

Torsten nannte ihn Langstieligen Schleimfuß, das passte irgendwie.

Schleim

So hatten wir mit Ralf und Birgit zwei tolle Pilzwochenenden. Schön, dass ihr uns besucht habt. Und schön, wenn ihr bald wieder kommt!

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Am 1. November gab es dann Schopftintlinge und Stockschwämmchen. Davon habe ich leider kein Frischfoto, aber selbst in der Pfanne erkennt man noch die Spargelpilze, stimmts?

Spargelpilze

Die letzte Vereinswanderung, die ich schon erwähnt hatte, führte uns dann am 10. November nach Vietlübbe. Die Pflicht - reichlich Speisepilze, vornehmlich wieder Graublättrige Schwefelköpfe, war bald absolviert, bei der anschließenden Kür entdeckte ich als Erstfund für Mecklenburg-Vorpommern den Bemehlten Holztintling (Coprinus laanii) und kurz darauf als weitere Rarität das Medusenhaupt (Psathyrella caput-medusae). Die Gattungen konnte ich leicht vor Ort bestimmen, die genauen Arten recherchierte Torsten in den folgenden Tagen.

Coprinus laanii  Foto und Bestimmung:  Torsten Richter

 

Das Medusenhaupt hat einen schuppigen Hut und Stiel. Diese Seltenheit bevorzugt Fichtenstubben. - Kopie

Psathyrella caput medusae   (Foto: Torsten Richter / caput medusae = tote Qualle, das habe ich auch gedacht; jedenfalls sehen so ähnlich die toten, an unseren Ostseestrand angeschwemmten halbtoten Ohren-Quallen aus).

Medusenhaupt

Langsam aber sicher neigte sich die Pilzsaison ihrem Ende entgegen. Also noch mal ab in den Buchenwald, die Totentrompeten (be-)suchen. Schließlich hatten wir inzwischen den 13. November, Volkstrauertag.

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Und noch einmal - gegen Ende November - begegneten mir geheimnisvolle Psathyrellas = Phaserlinge / Mürblinge.

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Sie standen einfach am Straßenrand in Wedendorf, scheinbar auf nackter Erde. Da ich nicht der große Mikroskopierer bin, nicht genügend Fachliteratur besitze und und und … Jedenfalls belästigte ich noch einmal unseren lieben Vereinsvorsitzenden - und die essbaren, wenngleich regen- und frostgeschädigten Pilzchen entpuppten sich als ganz normale Weißstielige Stockschwämmchen und die nackte Erde war zumindest nicht Splitter-nackt, wie zu sehen ist.

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Und dann gab es nach der letzten Vereinswanderung noch eine allerletzte. In der Palinger Heide, 20 Autominuten von hier, waren Frostschnecklinge gesichtet worden. Schnecklinge hatte ich noch nie im Hause. Aber ich sagte spontan ab, am Nachmittag des Exkursionstages, am 17. Dezember stand schließlich das große Weihnachtskonzert in unserer Kirche an.

Als guter Sportler rang ich dann eine Weile, zwar nur mit mir selbst, aber ich gewann und sagte mir: Jetzt erst recht. Gerade vor solch einem Ereignis ist es gut, frische Luft an Leib und Seele zu lassen. Das gab eine Suppe!

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Recht unscheinbar standen sie dort auf dem sandigen Boden unter den Kiefern. Sehr ergiebig sind sie nicht und viel Wetter hatten sie auch schon abbekommen. Trotzdem, die Suppe!

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Hatte ich schon die tolle Suppe erwähnt, die meine Lieblingsköchin gekocht hat? Glücklicher Weise hatten wir auch ein tolles Rezept gefunden.

Zwischen Weihnachten und Silvester beendeten wir die Saison 2011: ein goldgelber Zitterling als Zierde für das neue Auto und Samtfüßchen + Austernseitlinge für uns und als Geburtstagsgeschenk für Gisela Sülflow am 30. Dezember.

Die letzten Fotos des Jahres 2011 und damit die Auflösung von Seite 1:

DSCF0504

Der Rötliche Lacktrichterling (Roter Lackpilz, Verwandter des Lila Lackpilzes)oder aber der Wintertrompetenschnitzling? Die Sporen des Lacktrichterlings müssten stachelig sein wie eine Stachelbeere, sind aber glatt wie Weintrauben. Wenn es sich nicht um rasierte Stachelbeeren handelt, dann haben wir hier den

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                               Winter-Trompetenschnitzling (Tubaria furfuracea).

 

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                                                                                                   Jetzt kuscheln die beiden Sporen. Und ich mach nun mal Schluss und gehe auch kuscheln.

Gelobt sei unser Schöpfer!

Pilzdiakon Matthias Krause am Neujahrstag 2012

 

Gelesen 8097 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 22 August 2012 12:34

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