Donnerstag, 20 Januar 2011 00:00

Mattis reiche Pilzrückschau auf 2010

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Endlich! Die Pilzrückschau auf das unbeschreibliche Pilzjahr 2010 ist fertig!

Viel Spaß und freudige eigene Erinnerungen beim Betrachten der Bilder und beim Lesen! Euer Pilzdiakon Matthias Krause

Dankbare Pilzrückschau auf anno 2010 mit über 130 Fotos

Was für ein Pilzjahr! Noch überschlägt sich alles in meinem Kopf: der pilzarme, aber echte Winter, das wunderbare Morchel- und Maipilzfrühjahr, zehntausende Körnchenröhlinge im Sommer, überhaupt die größte Schwämme-Schwemme des Jahrhunderts (aber das hat ja erst begonnen, schaun wir mal), und dann der Herbst mit einem Artenreichtum, den ich bislang nur aus Pilzbüchern kannte. So. jetzt lege ich erst mal die Sense weg, es sind wirklich genügend Schmerlinge, Steinpilze und Herbsttrompeten geerntet und gegessen bzw. verarbeitet. Dafür lege ich die Kamera bereit und los geht es. Kurz entschuldigen muss ich mich bei alle den Pilzen, die ich sonst so gierig gesucht und verspeist habe; auch sie machten mich wieder glücklich, jedoch reichen Zeit und Platz hier für sie nicht aus: stellvertretend seien genannt: Netzstielige Hexenröhrlinge, Schwefelporlinge und diverse Champignons.

Aber los geht’s: Kamera rausgeholt und die ersten Bilder. Alles in Worte fassen, geht für das vergangene Jahr nicht - ich bin schließlich kein Roman-Schreiber. Fotos: Torsten Richter / Matthias Krause

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Unser Pilzjahr begann am 1. Januar. Katrin, Torsten, Angelika und ich machten uns per PKW auf den Weg nach Poel, wo wir genau ein Jahr zuvor eine superreiche Pilzernte ladeten. Dieses Mal fanden wir dort keine Pilze, dafür jedoch den Winter, welcher uns - wir erinnern uns alle- für Wochen nicht aus der Zange ließ. Kurz: kurz vor Poel - kurz bevor wir kurzoder auch langstielige Pilze ernten konnten, trafen wir den Winter: starkes Schneestreiben zwang uns zum Umkehren. In heimischen Wäldern hatten wir dann doch noch so unsere Freuden.

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Wir fanden zwar keine Judasohren, aber doch schöne Porlinge, so den braunen Laubholz-Weichporling (o.l.), eine echte Rarität in unseren nördlichen Breiten!

Dann war wirklich erst einmal Winter, mit Pilzen nur unter der Erde. Davon habe aber kein Foto. Meine wenigen Winterpilzfunde stellte ich dann lieber in den Schaukasten.

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Na, ich glaube, der Chef war gar nicht so unzufrieden mit mir.

Aber was so da unter der Erde abgeht, das vermag ich mir schon vorzustellen!

Eine kleine Ahnung davon konnte ich bekommen, als ich die „Pfarrhaus-Becherlinge“ ent-deckte. Im Rahmen der Pfarrhaus-Sanierung füllte ich mit weitern ehrenamtlichen Helfern Wandverschalungen mit einem Lehm-Buchenschredder-Gemisch auf. Meinen Fleiß belohnte der Herrgott bald mit den allerliebsten Buchenwald-Becherlingen. Ein Anruf genügte und Tosten Richter war aus dem Winterschlaf erwacht; hier unsere schönsten Fotos:

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Ein Weilchen dauerte es schon, bis das Ergebnis klar war:  Peziza varia, der Riesenbecherling, auch Kurzstieliger Becherling genannt;  Fund und Fotos 16. April 2010

Kurz danach hörte ich von Entdeckungen des hier seltenen Österreichischen Prachtbecherlings. Ich hielt es bald nicht mehr aus, schwang mich samt Kamera aufs Fahrrad und umkreiste den Wedendorfer See:

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Inzwischen denke ich, dass ich leider nur einen geplatzten Luftballon und dann eine Ast-Abgesägt-Stelle gefunden habe (trotz farblicher Bildbearbeitung kam nichts anderes heraus). Immerhin konnte ich bald danach meiner Liebsten ein schönes Herz überreichen.

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Glänzender Lackporling vom Feinsten in Vase auf Tisch auf Terrasse, Ganoderma lucidum

Irgendwann hörte ich von ersten kleinen Klein-Morchel-Funden (zunächst gab es tatsächlich Zwergformen wegen anhaltender Trockenheit), und auch ich durfte im Garten unserer lieben Freundin Kerstin auch eine kleine Zwerg-Spitz-Morchel zärtlich anlächeln. Dann aber ging es los.

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Pünktlich am 1. Mai startete unser Pilzverein seine Morcheltour. Ich wurde zwar nicht selbst fündig, durfte aber Vorfreude tanken.

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Hier ein glücklicher Schwiegeronkel, der ein paar schöne Speisemorcheln fand.

Am Tage des Herren, am Herrentag,  zu Christi Himmelfahrt, wollten wir - Fam. Richter und Fam. Krause - es nun wissen. Für eine Radtour war es uns zu kalt. Also ab ins Auto und ran an den Schweriner See, Steilufer.

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Die beiden machen ihm aber schöne Augen!

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Maipilze, Speise- und Käppchenmorcheln. Die Morcheln wurden als zarte Beilage beim anschließenden Grillen gleich verzehrt. Aber dieser Tag war erst der Auftakt, wenn auch ein grandioser.

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hier sie seltenere Farbvariante des Maipilzes

Und bald waren wieder Becherlinge zu entdecken, und zwar auf dem feuchtwarmen Holz einer meiner Holzmieten. Eigentlich soll die Abdeckfolie das Holz trocken halten. Wenn es jedoch schön porös ist, dann entwickelt sich das beste Regenwaldklima da drunter.

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Peziza avernensis,  Buchenwaldbecherling

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in allen Größen, hier XL

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hier 3 XL  (Durchmesser 12 cm),  Fotos 14.5.

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meine erste Fingerhut-Verpel                  Torstens erste Flatschmorchel

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Dass die so groß werden, hätten wir nicht gedacht, aber in solch einem Pilzjahr … Der Stiel ist schön genattert; schon daran ist die Art gut zu erkennen.  21. Mai

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Immer wieder finde ich diese farblich wunderschönen Pilze in unserem Garten auf Schredder.

Torsten identifizierte sie als Gelbblättrige Rüblinge, eine Varietät des Waldfreundrüblings und damit sicherlich essbar;  Collybria dryophila var. funicularis

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Und wieder fand ich „Becherlinge“, massenhaft, dieses Mal neben der Kapelle in Meetzen.

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Peziza? Tarzetta? Disciotis?  „Jedenfalls recht wohnlich“, sagte die Schnecke.

Es handelte sich - die Rippen sind hier ja schon recht gut zu sehen - um die Hochgerippte Becherlorchel, Helvella acetabulum (29.Mai).

Natürlich gab es auch wieder schöne Porlinge zu bestaunen,

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und zwar bei Tag

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und bei Nacht.

Die Tage wurden immer heißer und trockener. Es ging auf eine pilzarme Etappe, aber auch auf den ersehnten Urlaub zu. An Blätterpilzen sei für die erste Jahreshälfte noch erwähnenswert:

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Agaricus praecox, der Voreilende Ackerling. Davon finde ich in jedem Jahr ein paar Exemplare, aber, dass es für eine Familienmahlzeit reicht, das war ein Novum. Er duftet roh nicht nur lecker nach Kakao, sondern schmeckt auch vorzüglich!

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Bei Trockenheit reißt die Huthaut schnell ein. Also vielleicht doch eher der Bruder des Pilzes, der Rissige Ackerling? Das ist laut Literatur mit bloßem Augen nicht auszumachen. Aber immer gleich das Mikroskop benutzen? Das nutzt doch ab! Torsten wusste Rat:

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Wenn sich diese kleinen, niedlichen Tierchen bei den Pilzen herumtreiben, dann handelt es sich um den Voreilenden Ackerling. Hoffentlich habe das nun nicht genau verwechselt. Falls doch, dann wird Torsten mich korrigieren und bei der Gelegenheit auch gleich den Namen des Fabeltieres verraten. So, inzwischen ist Korrektur gelesen worden, der Kurzflügeldeckelkäfer, der gerne im Voreilenden Ackerling wohnt ist der Pilzkäfer (Oxyporus rufus).

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hier noch ein besonders knackiger Vertreter der Kollektion

Im Pilzkalender war der Mittelmeer-Perlpilz beschrieben worden. Unser Reiseziel war die griechische Insel Korfu, die im Gegensatz zu anderen mediterranen Gebieten sehr fruchtbar ist und auch die „Grüne Insel“ genannt wird. Na, das ließ hoffen.

Dort mit meiner liebsten Angelika auf Korfu angekommen, hatte ich dann doch kaum Augen für Pilze - es waren immerhin unsere silbernen Flitterwochen - oder es gab dort im Hochsommer wirklich kaum Pilze.

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Die einzigen erwähnens- und zeigenswerten Exemplare sind diese Porlinge oder Weichporlinge oder Saftporlinge …   - ein Saftladen dort; aber bei uns sah es zur selben Zeit (Ende Juli / Anfang August) sicherlich nicht viel anders aus. Schließlich fand ich doch noch Pilze: auf einer Speisekarte einer Taverne, direkt am Mittelmeer.

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Auf meine Anfrage bezüglich der Art der Pilze wurden mir die Objekte meiner Begierde sofort gezeigt und ich konnte sie sofort als Kräuterseitlinge ansprechen, wie es im Fachjargon so schön heißt - und zwar sogar auf deutsch. Ich kannte sie bislang nur aus Pilzbüchern. Sie schmeckten sehr würzig und gut, erinnern im Geschmack aber deutlich an Olivenöl und Knoblauch (jedenfalls auf Korfu).

Kommen wir zum zweiten Teil des Jahres. Anfang August hörten wir von vielversprechenden Pilzfunden in sandigen Kiefernwäldern. Zunächst suchten wir mit Pioniergeist die Palinger Heide, zunächst sie selbst, danach Pilze in ihr. Es hatte ergiebig geregnet und wir fuhren uns beinahe fest. Zur Belohnung gab es immerhin ein paar schöne Parasolpilze. Der größte landete später in unserem Pilzschaukasten, den zweitgrößten ließ ich mir mit Angelika munden.

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Natürlich haben wir sie uns auch von unten angeschaut.  (13.8.)

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Tatsächlich: ein Parasol!

Aber für weitere Pilze hatte der erst kürzlich gefallene Regen noch nicht gereicht.

Was nun, abwarten und Pils trinken? Nicht möglich für Torsten und mich, das Pilz-Sommer-Fieber hatte uns erwischt. Wenn also in der Nähe noch nichts an Pilzen wächst, dann werden wir in Ausnahmefällen auch mal zu Pilz-Touristen. Was uns da bei Neukloster erwartete, verschlug uns die Sprache: Körnchenröhrlinge, auch Schmerlinge genannt, dass man stellenweise kaum noch treten konnte!

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(Mitte August)

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Die Gutationströpfchen, welche nach Abtrocknung dunkle Flecken am Schwamm hinterlassen, geben dem Körnchenröhrling seinen Namen. Der andere Name „Schmerlin“ stammt von der schleimigen Huthaut, welche abgezogen werden muss; schließlich gehört er zur Familie der Schmier-Röhrlinge bzw. Schweinepilze.  Dazu gleich mehr.

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Ruck zuck waren die Körbe gefüllt.

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Hier sind die verbleibenden Körnchenflecken gut zu sehen.

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Ein bisschen Blaubeerdekoration aus der Heide schadet nichts, wegen der Ästhetik. Dafür sind die nächsten beiden Bilder nicht ganz so ästhetisch.

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Die Flecken an den Fingern sahen am         am darauf folgenden Tag so!

Und sie waren auch nicht wegzukriegen, weder mit Linda Neutral, noch mit Essig oder Benzin … Alles klar, warum die Familie „Schweinepilze“ genannt wird.

Zurück zur Ästhetik und damit zu weitern schönen Funden im Kiefernwald.

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        Butterpilze                                                                                        Kupferroter Gelbfuß

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Kupferroter Gelbfuß                                                                                 Butterpilze

- genug wiederholt, nun noch die Erdwarzenpilze:  Telephora torstrichtlerlingii oder so

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Da machte das bisschen Regen gar nichts.

Bald schon sollte die große Schwämme-Schwemme kommen, genauer gesagt: die SteinpilzSchwemme. Was jedoch, wenn man heiß Pilz-infiziert ist und nicht abwarten kann?Dann schaut man eben mal genauer zu Hause nach; „wozu in die Ferne reisen“ heißt ein geflügeltes Wort. Und in einem Pilzjahr wie 2010 klappt das dann auch. So schöne Hexenringe des Nelkenschwindlings hatte ich noch nie gesehen.

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hier einer im Milchsteig

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hier einer bei der alten Sparkasse

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Bald danach genoss ich das erste Mal Nelkenschwindlingspfanne pur - einfach köstlich! In jedem Pilzbuch wird einem geraten, aus diesen Pilzchen eine Suppe oder auch Pilzpulver zu machen. Dies werden für mich fortan nur Notlösungen sein. Frisch ist frisch!

Immerhin ganze zwei Tage musste ich noch warten bis zum ersten größeren Steinpilzfund meines Lebens. Zum Glück hatte ich einen passenden Stein als Requisite zur Hand.

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Da liegt doch aber noch etwas im Gras! Rotfüßchen, Netzstielige Hexenröhrlinge, Hainbuchenröhrlinge … wie gesagt, alles kann anno 2010 nicht genannt werden, der Segen war gar zu groß! So konzentrierte ich mich unter anderem darauf, den normalen Steinpilz vom Sommersteinpilz unterscheiden zu lernen.

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Die aufgerissene Huthaut und der durchweg genetzte Stiel sind gute Kennzeichen.

Aber es ist auch irgendwie egal, wohlschmeckend und essbar sind beide Arten.

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Mit Nina und Jens im Dohlen bei Krembz wurden die Körbe abermals voll. Neben Steinpilzen fanden wir auch ganze Knäuel von Flockenstieligen Hexenröhrlingen, den Wurzelnden Bitter-Röhrling, viele schöne Frauentäublinge und und und ... !

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30. August

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Nebenbei: so viele Frauentäublinge, auch so viele essbare rote Täublinge waren seit Menschengedenken (seit Mattigedenken jedenfalls) noch nie im Wald. Kulinarische Variante: mal nicht gebraten, sondern nur 10 min in Salzwasser gekocht, Butter drüber, fertig, doll!

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Ich weiß nicht, warum ich so gierig bin. Oft schleppe ich mehr Pilze nach Haus, als wir gebrauchen können. Gut, wenn man ein Korrektiv wie Nina mit dabei hat, die nur mitnimmt, was sie wirklich benötigt und einen ermuntert, doch auch mal einen Wurzelnden Rübling oder einen schönen Lacktrichterling zu bewundern. Na, ich bin ja lernfreudig- und immerhin habe ich fast immer den Fotoapparat mit.

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Pilze - ein wunderbares Hobby. Ich kann es gut verstehen, wenn es meiner Liebsten manchmal ein bisschen zu viel wird damit. Aber natürlich gibt es auch für Angelika immer mal Stern(pilz)stunden, wenn ich mal wieder etwas anschleppe. Davon zeugen die folgenden Bilder.

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Ich sage ihr immer wieder, dass mich Pilze eigentlich gar nicht interessieren. Ich tue das alles nur allein für sie! Wenn ich gut drauf bin, dann glaubt sie mir das, schließt sinnlich ihre schönen blauen Augen … Und dann wird es recht bald genüsslich… weil Angelika so gut kochen kann und alles.

Apropos Steinpilze: Ehrlich gesagt hielt ich es bis zu diesem Sommer immer als Märchen oder maßlose Übertreibung, wenn in unserer Gegend von reichen Steinpilzfunden die Rede war. Ich wähnte sie weit weg, ähnlich den Pfifferlingen. Dass ich in diesem Jahr sogar drei Arten fand, daran werde ich noch lange zu knabbern haben (noch ist so einiges in der Gefriertruhe zu finden, zum Knabbern). Jahrelang fand ich alle möglichen und unmöglichen Pilze, aber bei Steinpilzen war meistens Fehlanzeige angesagt. Die Spannung, die Erregung wuchs mit der Zeit. Am 1. September, am Weltfriedenstag, anno 2010, kam dann der Höhepunkt, der Kniefall, der innere Frieden mit den Steinpilzen, eine Art Pilz-Orgasmus! Ich teilte ihn mit Rebekka Duge, unserer Bibliothekarin in Rehna. Ich hatte einen Termin bei ihr verschwitzt und schenkte ihr eine reichliche Pilzmahlzeit. Lange Steinpilzrede - kurzer Sinn, ein Foto:

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der seltene Bronzeröhrling, Schwarzhütiger Steinpilz, Boletus aereus

Eine weitere Rarität war der Schwarzblauende Röhrling, Xerocomus pulverulentus, den ich allerdings erst nach dem Zerschneiden identifierte.

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Genug Privates geschwatzt! Zurück zur Vereinsarbeit!

Am 5. September stand der Brüel-Deichelsee-Termin im Kalender. Beim großen Hallo auf dem dortigen Parkplatz holt man als Gesprächsanregung gerne schon mal etwas Interessantes

aus dem Kofferraum. Mein Mitbringsel - Erstfund für mich - war ein Sklerotienporling.

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Da ich diesen lecker aussehenden, doch ungenießbaren Pilz noch nie leibhaftig gesehen hatte, konnte ich nur raten. Irena Dombrowa bestätigte meine Vermutung.

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Ich hatte zwar keine Seltenheiten gefunden - Torsten zum Beispiel entdeckte seltene Stachlinge - aber ich hatte die größten Steinpilze, außerdem jede Menge anderer Leckereien, die wir zum Teil verschenken konnten.

Bei meinem nächsten Wald-Trip ging es mir schon wie Torsten. Was gehen mich noch Steinpilze an, dachte ich und benutzte eher die Kamera als das Messer. Was für ein Arten-reichtum in diesem Jahr! Ich glaube, es war am 19. September, ich hatte nur eine halbe Stunde Zeit für den Woitendorfer Wald. Ich sammelte ein paar erste Herbsttrompeten und Stockschwämmchen ein, dann stand ich nur noch mit offener Kinnlade da und machte noch ein paar Fotos.

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Buchenschleimrüblinge

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Stockschwämmchen und Blutroter Hautkopf

Ich erinnere mich noch an den Blutblättrigen Hautkopf, an stark nach Marzipan duftenden Wurzelnden Marzipanfälblingen, an viele ebenso duftende BittermandelTäublinge. Hallimasch findet man in wirklich jedem Jahr. Aber so?

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Das ging bis in 5 m Höhe!

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Richtig hoch gewandert sind die kleinen Außerirdischen an dem Stamm!

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die ersten Rauchblättrigen Schwefelköpfe,   schöne Fliegenpilze (die bekanntesten Pilze!)

wunderschöne erste Herbsttrompeten

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und eine Kolonie wuscheliger Strubbelköpfe

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Dann kamen die Tage der Pilze( 1.-3.10.). Dieses Kapitel würde den Rahmen meines privaten Rückblickes sprengen. Das Wichtigste findet man auf der Homepage des Rehnaer Pilzvereins. Ein neuer Rekord der Artenvielfalt wurde aufgestellt. Ich durfte wieder mithelfen, dass dieses Ereignis - im Zusammenhang mit dem Erntedankfest, mit dem Flohmarkt u.a. - ein schöner Erfolg wurde. An zwei Tagen in der Woche zuvor sammelte ich mit Schülern der Rehnaer Schule Pilze im Lankower- und im Woitendorfer Wald. Erhabene Champignons (Agaricus augustus) fanden wir und Eselsohren und Lakritzen, auch schändlicher Weise Schmutzbecherlinge genannt. Als Diakon der zum Erndedankfest einladenenden KirchGemeinde hatte ich leider zu wenig Zeit für die Tage der Pilze. Das ist nun einmal so. Deshalb keine Fotos.

Kurz nach diesem bombastischen Ereignis zeigte Nina mir in Löwitz eine Art Bombe bzw. Bombeneinschlag, eine Art ebenerdigen Krater, auch Hexenring genannt: Semmelstoppelpilze

in zwei Ringen von ca. 9 m Durchmesser, jeweils ca. 100 Exemplare.

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Die beiden Hexenringe waren irgendwie nicht fotografisch fassbar, dafür aber die kleine Hexe Nina, hier sitzend inmitten eines Ringes (und vielleicht Hexeneier legend?). 6.10.

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Die Stoppeln brechen beim Putzen sehr leicht ab. In einem schlechten Pilzbuch habe ich vor kurzem gelesen, dass man die Stoppeln sowieso abbrechen sollte, da sie bei ältern Pilzen bitter schmecken. Ich hatte bittere Pilze im Korb, vielleicht auch nur einen? Bei so vielen Pilzen erwachte wieder die Gier in mir und ich erntete in Massen statt in Maßen. Obwohl Nina mich ermahnt hatte. Auch sie hatte von bitteren Alt-Stoppeln gelesen und hatte zur Sicherheit ältere Exemplare roh gekostet, was erlaubt ist. Alle waren gut und unbitter. So sprach Nina - und ich sammelte gierig die größten und dicksten Dinger ein. In freudiger Geber-Manier verteilte ich sodann viele Semmeln in Rehna. Ich denke mal, dass ich Glück im Unglück hatte. Nur bei uns zu Hause verzogen sich die Gesichter aus und wegen Bitterkeit.

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Dabei hatte ich mir so Mühe gegeben - nein, es war sicherlich meine Lieblingsköchin Angelika - das Rezept von Karin Montag nachzukochen. Also beim nächsten Mal: alle Stoppeln weg (vielleicht hat das schlechte Pilzbuch ja Recht und die Bitterkeit findet sich nur in den alten Stoppeln) oder eben nur junge Semmeln essen. Ich freue mich, dass die Beschenkten mit den SSP mehr Glück hatten als ich.

Noch zwei Mal suchten Nina und ich zusammen Pilze. Am 12, Oktober fanden wir schöne Grüngelbe Gallertkäppchen. Das sind eigentlich Schlauchpilze. Aber sie wissen das nicht und sehen deshalb aus wie Ständerpilze, also Pilze mit Hut und Stiel.

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Ich muss nun ehrlich zugeben, dass die letzt  genannten beiden Pilzarten von Nina gefunden wurden; ich war lediglich Zeuge, Mitbestauner, Mitbestätiger der von Nina vermuteten Art, Mitfreuer, Miternter bei den Semmeln. Auch die folgende Art fand Nina: den Grünspanbecherling (Chlorosplenium aeruginascens). Dieser Holz-Zersetzer färbt von ihm besiedelte das Holz (am liebsten Eiche) grün-blau ein. Es wurden schon historische antike Schachbretter gefunden, welche solche gefärbten Intasien-Segmente aufwiesen.

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So, nach einer reichhaltigen Pilzmahlzeit - Samtfußrüblinge mit Dekoration, wir schreiben immerhin schon den 15. Januar 2011 - werde ich diesen Pilzroman nun schnell zu Ende bringen. Die Fotos des heutigen Tages dürfen dann schon mal ganz unten als Vorgeschmack für das Jahr des Herrn 2011 angeschaut werden.

Kurzer Einschub: beim Aufbau der 80-Zentner-Strohkirche beim Autohaus Winkler entdeckte ich dort rötliche Flecken im maschinell abgemähten Gras:  es handelte sich in mundgerechte Fichtenreizgerstücke. Ich hatte noch nie Reizger gegessen. Der Edelreizger soll ja noch weitaus besser schmecken; das kann ich mir nicht vorstellen, obgleich die ganz viel Fantasie habe; denn diese waren derart lecker …

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… man könnte sagen, dass einem die Spucke weg bleibt. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Wenn ich dieses Foto anschaue, dann bekomme ich solchen Speichelfluss, dass ich Gefahr laufe, hier alles vollzusabbern. Also Schluss damit.

Im Spätherbst besuchte uns irgendwann unsere „kleine Tochter“ Judith. Sie war schon so manches Mal mit Papa „in den Pilzen“ - diese Redensart hat sie immer wieder in lustigfreudiges Erstaunen versetzt. Aber als echter Mykophiler sucht oder findet man ja auch nicht einfach Pilze, vielmehr versetzt man sich in sie hinein, studiert sie mikroskopisch usw; also ist der Ausdruck „in die Pilze gehen“ ja wohl gerechtfertigt, wenn nicht gar untertrieben!

Mit Judith in die Pilze gehen - die Pilzsaison schien zu Ende; nach solch einem Jahr brauchte die Natur eigentlich Ruhe. Ich telefonierte herum. Keine brauchbaren Informationen. Wir fuhren los. Erster Wald - guter Buchenwald : nichts. Zweiter Wald - noch besserer Buchenwald: nichts. Dann aus Versehen im Unterholz, im Bruchwald, im schlechten Wald, da, wo ich nie nachschauen würde: ein Hexenring von Safranschirmpilzen! Der Korb war voll! Kurz danach durch Zufall durch ein Stückchen Nadelwald gehen müssen, wo jetzt eigentlich keine brauchbaren Pilze stehen dürften. Standen auch keine - außer wieder ein Korb voller Safranschirmpilze! So viele Pilze nach Hause bringen gibt meist Mecker. Aber ich hatte in diesem Sommer schon eine gut gehende Verteilerliste erstellt.

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Da sich die Mecker in Grenzen hielt und die Pilze (paniert sind sie eine wirkliche Delikatesse) allen Begünstigten vorzüglich mundeten, zog ich wenige Tage später noch einmal los und holte noch mal zwei Körbe voller paradiesischer Freuden. Ich glaube, seitdem bin ich wieder dicker    (seit dem 29.10. glaube ich) .

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Dabei ist Pilze-Sammeln durchaus ein guter Jogging- und Bück-Sport!!!

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Erstfunde für mich:  Glimmerschüpplinge, umrundet von Elastischen- und Herbstlorcheln.

Hinweis: die Elastische Lorchel gilt als nicht genießbar. Nach meinem Selbstversuch darf ich sagen, dass sie ungiftig ist. Sie schmeckt weder gut noch schlecht. Guter Kaugummi-Ersatz!

Herbstferien mit meiner liebsten Schwiegerchousine, mit meinem liebsten Schwiegercousinen-Gatten (Schwipp-Cousin) und mit der liebsten Cousine meiner Schwiegercousine = Angelika (Schwipp-Cousine von meinem Schwipp-Cousin; meine Frau). Waren in Waren. 22. - 24. Oktober. Abends mit Schwipps. Kiefernwald, Sandboden! fast Neuland !!!!! Eine Pilzwanderung:  42 Arten, alles schlecht und im Vermoderungsstadium, außer einem guten Korb verwertbarer Pilze. Für mich am schönsten als Erstfund: der giftige oder zumindest ungenießbare Birkenreizger. Hier jedoch der ansehnlichste Fund bzw. das ansehnlichste Pfund!

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Ein Parasol! Da hat Angelika aber gestaunt! Was dann geschah, weiß ich nicht mehr so genau:

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So jedenfalls ging es los.   Aber genug davon! Ein Gentlemen genießt und schweigt!

Ja, ich glaube, nun ist alles erzählt, was so Wesentliches anno 2010 geschah.

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Es gab dann noch pünktlich zum Volkstrauertag  Totentrompeten und tote Ente zu Mittag.

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Und zu Nikolaus landete pünktlich ein deftiges Winterpilz-Menü (Samtfußrüblinge, AusternSeitlinge und Judasohren) auf unseren Tellern.

Man lernt ja in jedem Jahr dazu: also die Austernseitlinge eignen sich nicht so für normale Pilzpfanne; wir werden sie in Zukunft wieder als Pilzgulasch essen. Die Judasohren schmecken laut Literatur nach nichts, nehmen aber sehr wohl den Geschmack der gesamten Mahlzeit an - und ich finde sie schön gnubbschich!

So, das war’s. Dolles Jahr 2010! Ich bin sehr dankbar! Ich bin wieder reich beschenkt worden! Möglicher Weise hatte ich sogar eine Neu-Entdeckung:

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Pastorella coronilla (Bekröntes Pastörchen)

Auf noch etwas Besonderes hat Torsten mich noch hingewiesen. auf einen Erstfund für MV, den allerdings Torsten machte. Immhin aber war ich Zeuge, als Torsten eines schönen Herbsttages wie von der Tarantel gestochen auf dem Roggendorfer Friehof herumsprang. Er hatte ein paar unscheinbare, wahrscheinlich ungenießbare graubraune Pilzchen gefunden; selbst der Name klingt kaum rühmlich: Ranziger Scheinnabling. Aber doller Seltenheitswert! Und ein schöner lateinischer Name: Pseudoomphalina compressipes. Und hier ist das Beweisfoto.

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Habe ich noch etwas vergessen? Ach ja, am 9. Mai fand ich eine Horde Goldmistpilze. Goldig! Aber kein Foto. Mist! Nun reicht es aber. ENDE. Das neue Jahr hat begonnen!

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die ersten Pilze 2011

Gelesen 2809 mal Letzte Änderung am Freitag, 09 Januar 2015 14:03

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