Sonntag, 27 Dezember 2009 00:00

Dankbare Pilzrückschau 2006

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Dankbare Pilzrückschau 2006

 

Nun bin ich schon ein Jahr alt, jedenfalls als Pilzheini. Das ist eine kritische Zeit. Man meint schon allerhand Pilze zu kennen - stimmt ja auch - die Angst nimmt ab, aber das Fieber wird größer … das Risiko steigt. Als ich zum Beispiel Annette R. mit einem Korb voller Ansehnlicher Scheidlinge nach Hause schickte, konnte ich doch schlecht schlafen. Schließlich handelt es sich um eine Verwechslungsart der weißen Knollis, und die sind bekanntlich tödlich giftig. Aber Annette war meinem Rat gefolgt und hatte doch noch zu Absicherung Torsten besucht. Jene Scheidlinge waren übrigens wirklich ansehnlich; sie wuchsen auf einer Wiese und konnten ganz sauber geerntet werden. Wie es Annette heute geht, weiß ich nicht.

Ich selbst habe immerhin noch mindestens vier Jahre überlebt, da ich diesen Rückblick erst zur Jahreswende 2010 schreibe. Aber nicht zu früh gefreut, erst mal dankbar zurückgeschaut.

 

 

Wenn ich mich recht entsinne, begann für mich der Frühling mit der Suche nach Spitzmorcheln auf Mulch im Milchsteig. Im vorigem Jahr hatte ich da welche gesehen, damals freilich noch als pilziger Nackedei sozusagen. Aber 2006 war nichts, der Herr ließ mich zappeln. Doch dann im Frühsommer in unserer Nadelholzhecke dies.

 

 

 

Egerlings-Schirmlinge! Ob es nun der Rosablättrige oder der Seidige war, wer weiß. Ich hatte noch kein Mikroskop und tippte auf Grund der weißen Lamellen auf die zweite Art. Wie auch immer, sehr interessant:  ähnlich einem Champignon, aber weiße Lamellen, die einem Neuling verboten sind zu naschen wegen der Verwechslungsgefahr mit bösen Knollis. Ich habe dann auch nicht genascht, heute würde ich.

 

Am Himmelfahrtstag machten wir eine Radtour nach Cramon. Dort in der Nähe fanden wir auf einem Baumstumpf unsere ersten Schuppigen  Porlinge.

       

 

Wir waren ganz schön blau, glaube ich. Oder ich habe am Fotoapparat etwas falsch eingestellt. In Wirklichkeit sahen die Pilze viel schöner aus. Zur Dekoration schenkte der Herr uns gleich noch ein paar Löwengelbe Porlinge. Fast jeder Pilzfund war etwas ganz besonderes, kannte ich doch noch nicht viele Arten; so war jeder zweite Pilz eine Neuentdeckung für mich. So war ich auch ständig beim Suchen nach geeigneter Pilzliteratur. Und ich stattete Torsten so manchen Besuch ab. Auch, als ich noch nicht Mitglied des Pilzvereins war, nahm er sich immer reichlich Zeit für mich. Vielen Dank, lieber Torsten an dieser Stelle noch einmal! Auch dir, liebe Katrin!

     

 

Aus dem Schuppigen Porling machten wir Suppe, die sehr gut schmeckte, aber wie flüssige, graue Leberwurst aussah. Also ohne Färben oder gute Dekoration nur blind essbar. Aber die Klopse waren toll! Ich weiß gar nicht mehr, ob das Hack pur war oder halb & halb (Pilz & Schwein) oder drei Drittel (Schuppiger P. - Schwefelporling - Schweinehack). Den Schwefelporling holten wir uns, als wir wieder zu Hause waren. Wir hatten ihn seit längerer Zeit beim Wachsen beobachtet.       

      

zwei für die damalige schlichte Kamera doch gelungenen Nahaufnahmen

 

 

gar nicht so einfach, irgendwo einen Pilzwolf zum Ausleihen zu finden

 

 

endlich mal ein Schwefelporling, der wirklich wie Hirn aussieht; das steigert die Chanse, dass niemand ihn vor mir erntet

 

Auch für Dekopilze war ich schon immer zu haben. Da gab es zu Hause wenigstens keine Mecker, dass ich schon wieder zusätzliches Essen und Arbeit mit gebracht hätte. Obwohl - das muss ich zu meiner Ehrenrettung sage - ich das Pilzeputzen immer gerne alleine gemacht habe. Es ist eine gute Gelegenheit, die Arten sozusagen von ganz Dichtem kennenzulernen.

 

 

      

hier riesige Exemplare des Eichenwirrlings, Woitendorfer Wald

 

Von dem Schwefelporling konnte ich gar nicht genug bekommen. Und so traute ich mich bald kaum nach Hause, wenn ich wieder einen gefunden hatte. Anders verhielt es sich mit den Riesenschirmpilzen, die ich bei Groß Eichsen gefunden hatte. Das gab Lob!

 

 

Dieses Bild war mir wirklich gelungen, oder? Zumindest hat es keinen Blaustich. Wo wir gerade beim Thema Fotografieren sind: auch hier habe viel von Torsten gelernt, z.B. dass man nicht bei der Ausrüstung geizen soll. Heute bin auch ich im Besitz einer guten Kamera und eines Stativs. Außerdem habe ich mir folgende Vorgehensweise abgeschaut.

 

 

                                                                       erst einmal behutsam die Kamera holen              schon mal freudig einen Blick durchwerfen           jemand das Stadtiv aufbauen lassen

 

                                    

den Befehl zum Fröhlichsein geben                        und Knips -                                                                    fertig!

 

 

Wie im Märchenwald kam ich mir vor, als ich im ansonsten fast pilzleeren Woitendorfer Wald in einer feuchten Niederung und in Gewässernähe Mengen an Goldröhrlingen fand. Leider habe ich die Stelle nie wieder gefunden.

 

 

Massenhaft zu finden waren wieder einmal die Kahlen Kremplinge. Da wünscht man sich schon mal in die gute alte Zeit zurück, als der „Speckpilz“ noch als ungefährlich galt. Er soll ja super schmecken und Leute, die ihn früher aßen, sehen oft auch heute gar nicht ein, dass er nun giftig sein soll und essen ihn lustig weiter. Ich würde ihn in wirklichen Notzeiten sicherlich essen, aber die Gefährlichkeit ist doch so unbestritten, dass ich lieber die Ästhetik einiger dieser Exemplare genieße, wie bei diesen, die ich mit Christian B. fand.

 

              

 

 

Im Sommer fand ich dann noch einige schöne Dinge

 

 

 

Was dies für Pilze sind, weiß ich bis heute nicht. Sie hatten Poren und sahen wirklich

genau so aus.

 

Riesenporling, der seinem Namen alle Ehre macht (im Brümmersal)

 

 

Wolliger Scheidling

 

Im Urlaub in der Slowakei fotografierte ich dann diesen Pilz an Apfelbaum. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was das war. Heute denke ich, es war ein

 

                

Zottiger Schillerporling.

 

Im Herbst sind nur zwei besondere Pilzfunde im Archiv, zum einen die ergiebige, wenngleich meist nicht attraktiven Büscheligen Raslinge aus Nachbars Garten, zum anderen die mit Familie Ortlieb entdeckte Hohe Röhrenkeule bei Othenstorf.

 

 

Das letzte Pilzerlebnis war die Jagd nach Austernseitlingen am Silvestermorgen. Wir wollten abends schön Pilze essen, und so hatten mein Vater und ich uns verabredet, um 10 Uhr in den Woitendorfer Wald zu starten. Als ich beim Zähneputzen aus dem Fenster den Regen sah, meinete ich schon alleine fahren zu müssen. Kurz vor 10 Uhr fing es an zu graupelt und zu gewittern. Dennoch kam mein Vater pünktlich zu mir in die Garage - er hatte übrigens bislang noch nie davon gehört, dass man auch im Winter essbare Pilze finden kann - und sprach folgenden Satz, den ich nie vergessen werde: „Steige ich jetzt zu dir ins Auto oder nehme ich mein eigenes und fahr direkt zum Psychiater?“

Er hat sich dann doch für den Wald entschieden. Zum Psychiater kann man immer noch fahren, zum Beispiel im März, da ist kaum mit Pilzen zu rechnen. Im Wald angekommen, hatte sich das Wetter auch wieder beruhigt. Zwar war alles weiß und es nieselte, aber wir suchten ja keine Pilze auf dem Boden. Nach gut einer Stunde der erste und einzige Fund: große, schöne Austernpilze, allerdings auf einem entrindeten Baumstamm, welcher über einem Tümpel lag. Aber für so einen Jagderfolg kann schon mal Leib und Leben riskieren, oder?

 

 

 

ENDE.                                                         Matthias Krause, 28. und 29. Dezember 2009

 

 

 

Gelesen 1973 mal Letzte Änderung am Freitag, 09 Januar 2015 13:43

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