Sonntag, 27 Dezember 2009 23:00

Pilzrückblick 2007 - ganz schön trompetig!

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{phocagallery view=category|categoryid=41|imageid=794|detail=4|enableswitch=1|piclens=2|float=left}Dass es auch im Winter Pilze gibt, war mir möglicherweise noch unbekannt. Jedenfalls hielt ich es irgendwann im März nicht mehr aus, nahm meine 4-Meter- Aluleiter und machte mich über Wiesen und Gräben auf in Richtung des kleines Baumbestandes zwischen Rehna Milchsteig und Brützkow. Es ist ein besonderes Biotop, vielleicht war es bei den Germanen ein „Heiliger Hein“? Immerhin, ich wurde fündig. Dass die Winterporlinge nicht essbar waren, war mir völlig egal. Wieder eine neue Art in meinem noch ach so jungen Pilzleben, dazu ein Porling mit Stiel, eigentlich ein ganz normaler Pilz, nur eben mit Poren.

 

Die zweite Erinnerung ist die, als mein Auto am Pfingstmontag nach dem ökumensichen Gottesdienst in Demern auf dem Rückweg auf einmal scharf abbremste. Ich stieg aus und fotografierte die gnubbeligen Baumpilze, die ein Fell wie das von Hasen hatten. {phocagallery view=category|categoryid=41|imageid=755|detail=4|enableswitch=1|overlib=3|piclens=2|float=left}{phocagallery view=category|categoryid=41|imageid=756|detail=4|enableswitch=1|overlib=3|piclens=2|float=left}

 

 

Man sagt, dass man jeden Pilz einmal essen kann. Stimmt nicht. Bestimmte Baumpilze wie diese hier sind so hart, dass man sie nur null mal essen kann.

 

 

 

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Am heißesten Junitag machte ich mit bei GEO-Tag der Artenvielfalt. Es ist immer wieder schön, die den Leuten vom Pilzverein durch die Wälder zu streifen, besonders, wenn uns mehr eint als Appetit. Ich kann mich nicht mehr an Einzelheiten erinnern, aber wenn ich auch nur diesen einen Pilz (sieht ganz nach Perlpilz aus) gefunden hatte, dann war das schon ein Erfolg, da die Region im Begriff war, sich in eine Wüste zu verwandeln.

 

 

 

{phocagallery view=category|categoryid=41|imageid=757|detail=4|piclens=2|float=left}Ein weiterer netter Vereinsausflug war der nach Brüel. Im Wald fand ich gar nicht so viele essbare Pilze, aber zum Glück für Alex bei mir mit und der wollte auf dem Rückweg gerne noch Geld holen von der Sparkasse. Ein kleiner Umweg, der sich richtig lohnte: vor der Sparkasse in Rindenmulch sammelte ich etliche große Riesenträuschlinge ein. Von diesem Ausflug habe ich nur noch das Ergebnisfoto. Hier ist es.

 

 

 

{phocagallery view=category|categoryid=41|imageid=767|detail=4|piclens=2|float=left} {phocagallery view=category|categoryid=41|imageid=766|detail=4|float=left}In diesem Jahr lernte ich auch die Hexenröhrlinge kennen. Es kommt mir noch immer wie ein Zaubertrick vor, wenn der Flockenstielige sich innerhalb einer Sekunde tiefblau verfärbt. Der Herrgott legte im Wald nur wenige Meter neben den Pilzfunden eine Zwiebel dazu. Etwas weiter weg fand ich dann noch eine Bratpfanne, aber die war unter meinem Niveau; so fromm bin ich nun auch wieder nicht, dass ich alles annehme.

 

Dass man gar nicht immer wegfahren muss, lehrten mich die Netzstieligen Hexenröhlinge, die auch im Stadtgebiet von Rehna vorkommen. Ebenfalls ein toller fester Speisepilz, wenngleich ihn die Maden auch gerne mögen, im Gegensatz zum Flockenstieligen. Mit einem Freund im Selbstversuch stellten wir fest, dass uns der Genuss reichlicher Pilze mit reichlich Bier, Wein und Schnaps nichts ausmachte; so auch das Votum eines Chemischen Institutes in Süddeutschland, welches Pilze nach ihrer Giftigkeit untersucht. Somit gehört Boletus luridus meiner Ansicht nach zu den Pilzen, die bei manchen Menschen eine Unverträglichkeit bewirken, die dann eben ähnliche Symptome zeigt wie eine Coprinus-Vergiftung. Fazit: erst mal vorsichtig, dann aber reinhauen! Im Mai erntete ich wieder den leckeren und ergiebigen Schwefelporling. Das große Exemplar auf dem Friedhof war plötzlich verschwunden. Welch Schock! In meiner Not schnitt ich in diesem Jahr sogar einige Hühnchenpilze - wie er im Englischen genannt wird- von Alleebäumen ab; einmal habe ich dabei sogar festgefahren und kam ohne fremde Hilfe nicht wieder auf die B 104. Aber, was tut man nicht alles. Bei PC-Foto-Gucken wurden die Schwefelpolingsklopse immer schwefliger. Mit PC meine ich nun aber nicht Posaunenchor oder gar Plumsclosett, sondern meinen Computer; irgendwie hatte ich an dem Abend etwas mit „Paint“ am Hut. Paint - jetzt erinnere ich mich - ist ein Mal- Programm auf dem Rechner. Und damit musste ich für mein Sommerprojekt umgehen lernen. Aus persönlichen Gründen konnten wir nicht verreisen. Also beschloss ist, den Woitendorfer Wald für mich und unseren Verein neu zu karthographieren. Erstens hätte man dann eine bessere Orientierung; ich habe viele Talente, aber absolut keinen Orientierungssinn, gehe daher immer mit Karte und mindestens einem Kompass los. Zweitens könnte man in die Karte Pilzfundstellen einzeichnen. Ich fand eine ziemlich genaue alte DDR-Karte. Natürlich waren dort Wege eingezeichnet, die es längst nicht mehr gab oder umgekehrt. Das war also mein Urlaubsprojekt: immer mal mit dem Fahrrad los - ich achte schließlich auf meine Linie, wenn auch noch nicht gut genug - und Wege finden, testen, suchen, und nebenbei natürlich Pilze mitnehmen. Das mit dem Pilze mitnehmen hat dann nicht so geklappt, es gab so gut wie keine. Immerhin fand ich einen schönen Glänzenden Lackporling, der noch lange als Dekoration neben unserer Haustür lag. Hier also erst einmal die Pilzbilder, damit die Karte für jedermann nutzbar ganzseitig zustande kommt. Das Radeln hat Spaß gemacht, schließlich war das Radfahrwetter im Gegensatz zum Pilzwetter perfekt. Der Herr macht mir noch ein weiteres Geschenk, schon am ersten Urlaubstag geschah es: beim Radeln, irgendwo bei Meetzen, fing meine linke Hand an zu kribbeln. Meine erste Gegenreaktion war die Armbanduhr abzumachen mit der Einsicht, dass ich doch schließlich Urlaub hätte und es sicherlich ein göttlicher Wink ohne Zaunpfahl sei, endlich ruhiger zu ticken. Ich steckte die Uhr in die kaputte Satteltasche. Bald hatte der Herr die Uhr ganz zu sich genommen. Heute bin ich der glücklichste Mensch der Welt: ich habe eine neue Uhr und eine neue Satteltasche! Im Herbst machte ich eine Pilztour mit Volker in den Othenstorfer Wald. Wir fanden zwar kaum Essbares und Volker konnte nicht glücklich werden. Aber ich wurde glücklich: reichlich Schmarotzer-Röhrlinge (nächstes Mal koste ich die!) und Igel-Stäublinge. Dann kam der Trompeten-Spätherbst. Den werde ich nie vergessen. Manchmal ein, zwei Stunden erfolglos mit Suizidgedanken und Schlimmerem durch den Wald gestolpert, die Milliarden graubrauen Blätter des Waldbodens einzeln begutachtet, ob nicht doch eines von ihnen irgend ein Pilzchen sein könnte - dann dieser Anblick: rund um die dicke Buche ein schwarzer Teppich von schwarzen Trompeten. Ich, der erst seit etwa zwei Jahren pilzophil bin; ich, der erst seit zwei Jahren einen Trompetenchor leitet - ich sitze hier und fülle einen Korb nach dem anderen - wie gesagt, kurz nach reichlichen Suizidplänen - Totentrompeten! Das war schon mal ein oder vier Gläschen wert! 7 volle solcher Körbe sollten es werden, gesammelt an 7 Tagen, Herbstferien 2007! Eine Menge Arbeit, die ich aber immer gerne erledige. noch einmal: Herbsttrompeten-Impressionen Es gab manches Rein- oder Mischgericht, es gab manches Totentags-Totentrompeten- Geschenk, es wurde reichlich blanchiert und eingefroren, getrocknet und zu Staub gemahlen (Staub zu Staub). Im Dezember schließlich durfte ich Austernseitlinge ernten, den Kalbfleischpilz. Meine liebe Angelika machte auch prompt Kalbsgulasch davon. Einfach eine Freude! Das Foto ist nicht so scharf. Der Gulasch jedoch … und die Köchin … ! Zum Jahresende entdeckte ich noch sehr hübsche Pilzchen vor meiner Haustür im Mulch. Erst später bekam ich heraus, dass auch dies ein Gurkenschnitzling ist. I Ich nannte ihn erst einmal „Hellrand-Brauner“, habe auch nette erste Mirkobilder mit meinem neuen 50 € - billigen Aldi-Mikroskop gemacht. Dies war natürlich auch eine weitere wichtige Etappe meines Pilzlebens. Deshalb ein entsprechendes Schlussfoto. Diesen Beitrag habe ich aus der Erinnerung nun erst Ende Dezember 2009 geschrieben. Deshalb wird Lückenlosität ausgeschlossen. Pilzdiakon Matthias Krause

Gelesen 6899 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 22 August 2012 12:34

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