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Donnerstag, 22 April 2010 06:46

Rehnaer Pfarrhaus noch nicht fertig saniert, aber zum Pilze-Suchen bestens geeignet

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Die Wunderwelt der Pilze bleibt mit Gottes Hilfe nicht auf die freie Natur beschränkt. Zum Trost, dass das Pfarrhaus durch den langen Winter immer noch nicht bezugsfähig ist und wissend, dass ein mykophiler Diakon dort Arbeitseinsätze mitmacht, belohnte mich kürzlich der Herrgott mit vielen hübschen und selten zu findenden Becherlingen.

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Natürlich hatte er sie recht gut versteckt und  auch sorgsam darauf geachtet, dass es keine Holzschädlinge sind. Aber nun mal von vorn.

 

Die Kirchgemeinde hatte zu einem dreitägigen Arbeitseinsatz aufgerufen. Der Putzgrund für den Innenputz - Schilfmatten, hinter welche als Wärmedämmung Lehm-Holz-Schredder gefüllt werden - sollte in Eigenleistung hergestellt werden. So machten wir uns an die Arbeit. Unsere liebe Küsterin brachte uns bald belegte Brötchen und Kaffee. Ich freute mich schon auf die Pause und wollte dann ordentlich bechern (Kaffee, nicht Becherowka).

Apropos „bechern“; vor zwei Jahren hat sie, also Kerstin Lietz, im Frühjahr bei sich im Hof wunderschöne Becherlinge - Peziza cerea - gefunden. Das war ein ganz toller und seltener Fund in dieser pilzarmen Jahreszeit, siehe: http://www.myheimat.de/rehna/ pilzportraet-der-wachsbecherling-peziza-cerea-bull-d33246.html Da steh ich also in der Frühstückspause und bechere Kaffee aus meinem Napf - und da sehe ich sie an der Wand: Napfbecherlinge! Erst einer, dann noch ein paar, dann immer mehr. Das war natürlich ein Notfall oder wie man sonst dazu sagen mag. Anruf bei Torsten Richter, welcher alles stehen und liegen lässt und schnurstracks mit seinem Fahrrad los saust. Großes Trara und Foto-Orgie! Später versucht er die Art zu bestimmen. Der Kerbrandige Napfbecherling (lat. : Tarzetta catinus) kommt in Frage. Er fruchtet von Juni bis September (im Pfarrhaus ist immer Sommer!), gerne nach „Pareys Buch der Pilze“ auf schweren Lehmböden. Ich werde da mal hin schreiben und um die Ergänzung bitten „und an schweren Lehmwänden“, dann stimmt die Sache.

Aber die Bestimmung bereitet Schwierigkeiten. Wie chemische Tests ergeben, müssen die Pilzchen zu einer anderen Gattung gehören (lat.: Peziza). Dort in Frage kommende Arten wie Peziza micropus oder cerea haben aber eigentlich größere Sporen. Nun soll ein Becherlingsspezialist zu Rate gezogen werden. Na, hoffentlich macht der seine Arbeit gut und bechert nicht zu viel dabei. Ich hoffe ja, dass der auch nichts heraus bekommt. Dann habe ich eine neue Art entdeckt: Peziza krauseanum.


Gelesen 3587 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 22 August 2012 12:34