Montag, 04 Januar 2010 16:10

Winterfrischer Jahres-Pilz-Beginn am Neujahrstag

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Wie schon im vergangenen Jahr machten wir - Katrin und Torsten, Matthias und Angelika -

am Neujahrsmorgen uns auf den Weg zur Insel Poel. Vor einem Jahr hatten wir dort

reichlich Samtfußrüblinge, daneben vier weitere Speisepilzarten und ca. zwanzig Nicht-

speisepilzarten gefunden, darunter auch besondere Raritäten wie das hübsche und seltene

Judasöhrchen. (vgl. homepage, Bericht mit Bild 1.1.2009).  So ein Ausflug ist immer voller Überraschungen, das war uns vorfreudig klar. 

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Die größte Überraschung des Tages: Wir fanden zwar keine Pilze auf Poel, aber wir fanden den Winter! Und wir brachten ihn für die lieben Kinder, die ja noch Ferien haben, nach Hause mit.

Kurz vor Poel fanden wir ihn endlich, den Winter. Es wurde immer dunkler, es fing an

zu schnee-grieseln, dann zu schneien. Die Straße wurde immer glatter; am Neujahrstag

ist natürlich auf kleineren Straßen kein schneller Winterdienst zu erwarten.

So drehten wir um und entschlossen uns zu einer kleineren Waldwanderung im Forst

bei Cordshagen. Wenn sich auch die Austernseitlinge  in sieben Metern Höhe versteckten,

Torsten erspähte sie doch. Und was war das: gelber konsolenförmiger großer Pilz an alter Vogelkirsche? Ein Schwefelporling? Er war völlig geruchlos, jedenfalls roch er nicht nach Schwefel. An Vogelkirsche? Zum Jahreswechsel? Schon eigenartig. Dennoch konnten wir ihn als Schwefelporling ansprechen, wenn er auch nicht antwortete. Aber die Indizien waren erdrückend: erstens wusste Torsten, dass die Vogelkirsche zu den Rosengewächsen gehört wie auch die Pflaume; an den Pflaumenbäumen zwischen Rehna und Meetzen ist dieser Pilz des öfteren zu entdecken. Zweitens ließen Farbe und Form immer noch auf diese Art schließen. Und drittens - hier kennt sich Diakon Matthias Krause aus (Pilzpsychologie!) - war es offenbar ein abenteuerlustiges Exemplar, welches unbedingt einmal Silvester miterleben wollte. Deshalb war er noch so spät bzw. so früh anzutreffen und hatte offensichtlich auch ordentlich geböllert, deshalb nichts mehr mit Schwefelgeruch. Nun gut, er riecht auch sonst nie nach Schwefel, aber ist jetzt mal egal.

Obwohl wir eigentlich mit der schönen frischen Luft, mit dem richterlichen Apfelpunsch

und dem schönen Wald glücklich genug waren, fanden wir noch ganz interessante

Pilzarten, besonders Porlinge, die ja in den grünen Jahreszeiten oft übersehen werden.

Besonders an einem liegenden, mächtigen Buchenstamm entdeckten wir gleich mehrere

Arten. Selbst die einfache Buckel-Tramete erfreute uns in ihrer winterlichen Weißheit;

damit ist hier die Farbe gemeint, da sie doch sonst schnell grün von Algen überzogen ist.

Meine liebe Frau Angelika, die immer ein Auge für Dekoratives hat, pflückte eine solche

Tramete, die allerdings unten keine weißen, sondern schön rosa-lilafarbene Poren hatte.

Torsten kennt sich wohl auch mit Lacken und Farben aus und erkannte, dass dieser Farbüberzug ein Pilz war! Die kluge Katrin identifizierte diese  Verfärbung mit Hilfe des Mikroskopes als einen Schichtpilz namens Tulasnella eichleriana. Weiterhin fanden wir den seltenen Laubholz-Harzporling (Ischnoderma resinosum). Dabei waren wir gar nicht im Harz.

Aber recht bergig war es schon. Ach, ich kenne mich da nicht so aus. Und gefunden

habe ich auch nichts Besonders. Deshalb wurde ich verdonnert, diesen Artikel zu

schreiben. Aber gerne.

 

Abschließend wünschen wir vier Euch/ Ihnen liebe Pilzfreunde ein gesundes, erfolgreiches und mit interessanten Pilzfunden verwöhntes Jahr 2010!

 

Matthias Krause. Neujahr 2010

Gelesen 2974 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 22 August 2012 12:34

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