Rehna - Pilze wachsen nicht im Winter? Ganz falsch

 

Was ein richtiger Kenner ist, der sucht und findet auch in dieser Jahreszeit die leckeren Gewächse. Wie Rehnaer Pilzfreunde gerade erst bei einer Wanderung über die Insel Poel wieder bewiesen.

Nichts ist unmöglich und Pilzkenner bekommen gerade jetzt, im Winter, ihre Pfannen mit besonders wertvollen Speisepilzen voll. "Wir haben am 1. Januar einen Spaziergang auf der Insel Poel bei Gollwitz gemacht und total viele leckere Winterrüblinge gefunden", erzählten zum Beispiel Katrin und Torsten Richter, Vorstandsspitze des Rehnaer Pilzvereins. "Da bekamen viele Strandspaziergänger große Augen, als wir die lebhaft orange-gelben bis rotbraunen Pilze aus den Büschen holten", schmunzelte der Pilzprofi, der sich aber auch über das Interesse der Ausflügler freute.

Der Winterrübling oder auch Samtfußrübling ist an seinem bräunlich-schwärzlichen, samtigen Stiel zu erkennen. Verwechslungsgefahr mit irgendwelchen Doppelgängern gibt es nicht, er hat keine. Überhaupt besteht im Winter die allergeringste Vergiftungsgefahr. Der Winterrübling wächst am liebsten an Weiden. Entlang der gesamten Ostseeküste ist er derzeit am leichtesten zu finden. Auch der Austern-Seitling gehört zu den besonders schmackhaften Speisepilzen und hat von November bis Februar/März Saison. In dichten, hell- bis schiefergrauen, etagenartig aufgebauten Büscheln wächst er besonders gern auf Pappeln, Weiden und Buchen. Die Hutränder sind eingerollt, die weißen Lamellen laufen bis zur Basis. Einen Stiel im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Verwechselt werden kann er höchstens mit dem olivgrauen Muschelseitling. Doch der ist nicht giftig, er schmeckt nur nicht. Und auch das Judas-Ohr gehört zu den Winterpilzen. Es gibt kaum jemanden, der diesen Pilz nicht schon in tiefgekühlten China-Pfannen kennen gelernt hat. In der Natur und ungetrocknet sieht dieser Holzpilz wie hellbraun-fleischige Lappen beziehungsweise Ohren aus. Er ist ein Spezialist auf Holunder.

Zu ihrem ersten Treffen in diesem Jahr finden sich die Rehnaer und Wismarer Pilzfreunde am 27. Januar um 18.30 Uhr im Rehnaer Deutschen Haus ein. "Ein verpilzter gemütlicher Neujahrsempfang, bei dem ich mich bei allen Pilzfreunden, Pilzinteressierten, Förderern und Sponsoren bedanken und ein pilzreiches neues Jahr wünschen will", erzählt Vereinsvorsitzender Richter. Doch es wird nicht nur Bilanz 2005 gezogen. Es gibt auch einen Ausblick auf das Pilzjahr 2006. Nicht unwichtig sind dabei die Terminabsprachen für gemeinsame und öffentliche Pilzwanderungen.

Die Auswertung der 6. Rehnaer Pilztage ist immer noch nicht restlos abgeschlossen. Gerade die mikroskopisch kleinen Exemplare schwirren teilweise noch zur genauen Bestimmung bei Experten in ganz Deutschland herum. Über Bombardia bombardia, einen winzigkleinen, keuligen Pilz auf Buchenholz, freut sich Richter dabei immer noch. Der allererste Fund dieser Art, der jemals in der ganzen norddeutschen Tiefebene gemacht wurde. Überhaupt werden kleine Pilze bei den Rehnaern jetzt ganz groß. "Durch die freundliche Unterstützung des Umweltministeriums haben wir unter dem Aspekt der Umwelterziehung und Umweltbildung Fördermittel bekommen und die haben wir in eine technische Ausrüstung gesteckt", erklärt Torsten Richter, der als Biologielehrer auch in seinen Biokursen davon profitiert.

Denn mit Hilfe eines Stereoskops, das durch einen Adapter mit einer Digitalkamera und einem Laptop verbunden ist, können mikroskopisch kleinste Exemplare jetzt auf den Monitor übertragen und bei Bedarf auch fotografiert werden. Technik, die gerade junge Leute spannend finden. So sitzt zum Beispiel gerade eines der jüngsten Pilzvereinsmitglieder, der jugendliche Alexander Glomb, an der genauen Artenauflistung aller gefundenen Exemplare, die bei den 6. Rehnaer Pilztagen auf die langen Ausstellungstische zum Betrachten oder aber in kleine Schächtelchen zum Mikroskopieren kamen. Auf die Ergebnisse wartet unter anderem auch die Uni Greifswald, die derzeit alle jemals in Mecklenburg-Vorpommern gefundenen Arten auflisten will. Und eine wissenschaftliche Zuarbeit wie in Rehna gibt es dabei selten.



Von Iris Weiss, LN
aus Lübecker Nachrichten vom 5.01.2006

Link:   http://www.luebecker-nachrichten.de

 

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